Säuglinge vor Erblindung bewahren

Blindheitsvermeidung und Versorgung stark sehbehinderter Kinder in Brasilien

große Version anzeigen Dr. Andrea Zin operiert ein frühgeborenes Baby mit Hilfe von Laser an den Augen (Rio de Janeiro/Brazil).
Dr. Andrea Zin operiert ein frühgeborenes Baby mit Hilfe von Laser an den Augen (Rio de Janeiro/Brazil). © CBM
Woher soll man wissen, ob ein Säugling augenmedizinische Hilfe benötigt oder ob er erblindet? Säuglinge und Kleinkinder können ihre Probleme nicht erklären. Vor dieser Schwierigkeit standen die Ärtze auch im Government Hospital Santa Casa in Sao Paulo - bis Dr. Silvia Veitzman, Beraterin für Sehschädigungen bei der Christoffel-Blindenmission (CBM), 1986 an einem Kurs in Schweden teilnahm. Dort erlernte sie Diagnostik und Rehabilitation bei Säuglingen und Kleinkindern mit Augenproblemen. Im Anschluss an ihre Rückkehr nach Brasilien richtete sie am Santa Casa Hospital ein Zentrum ein, wo sie nun ihr Wissen an medizinische und pädagogische Fachkräfte aus vielen Ländern Lateinamerikas weitergibt. Darüber hinaus ist Dr. Veitzman Leiterin des VIDI Institute for Vision and Development, eines CBM-Partners, der seit 1996 gefördert wird.

Nicht in der Schule, weil sie sehbehindert sind
Das VIDI Institute führt Projekte zur Bekämpfung starker Sehschäden und Blindheit bei Kindern durch. In einem Projekt der gemeindenahen Rehabilitation in Embu, 30 km von Sao Paulo entfernt, entdeckte das VIDI 10 sehschwache Kinder pro Monat. Sie waren bis zu 9 Jahre alt, gingen jedoch wegen ihrer Behinderung nicht zur Schule. Durch Beratung der Familien im Hinblick auf die Anfertigung kostengünstiger Sehhilfen (z.B. Ferngläser, Lupen und Nahsichtgläser sowie Spielzeug und Kartonmöbel) konnte das Programm bereits 60 % der Kinder wieder in staatliche Schulen integrieren.

Schulbücher in großer Schrift und Lupen

Wenn man sehschwachen Kindern helfen will, ist es wichtig, die richtige Diagnose zu stellen, adäquate Sehhilfen anbieten zu können und den Kindern zu zeigen, wie man letztere benutzt. Auch eine Nachsorge der Patienten ist erforderlich. Prismen, Handlupen und extrem starke Brillen ermöglichen dem Kind das Lesen und Schreiben. Für die Schule sind Schulbücher mit großer Schrift und kontrastierenden Farben erforderlich. Außerdem ist es oft hilfreich, die Lebens- und Lernumgebung des Kindes zu verändern – z.B. dadurch, dass es in der Klasse vorne sitzt.

Welches Augenproblem hat das Baby?

Was bei Schulkindern bereits schwierig ist, stellt bei Säuglingen eine noch größere Herausforderung dar - die genaue Sehschwäche herauszufinden. Ein CBM-gefördertes Projekt in Rio de Janeiro testet und behandelt Frühgeborene. Bei diesen besteht ein erhöhtes Risiko, an Frühgeborenenretinopathie (ROP) zu erkranken, einer potentiell zur Erblindung führenden Erkrankung, die die Netzhaut von Neugeborenen schädigt. Daran erkrankte Kinder können mittels Laserbehandlung vor Blindheit geschützt werden - jedoch nur, wenn ihr Zustand früh erkannt wird. Dieses ROP-Projekt dient landesweit als Modell. In ihm werden 70 % der Reihenuntersuchungen an allen ROP-gefährdeten Frühgeborenen der 6-Millionen-Metropole Rio durchgeführt.
Allein im Jahre 2004 haben sich in den Sehbehinderten-Projekten von Sao Paolo, Curitiba und Rio de Janeiro 789 Patienten vorgestellt. Neben Rio de Janeiro gibt es ROP-Projekte in Belem und den zwei größten Städten des Nordostens – Recife und Fortaleza. Sie decken fast 100 % der staatlich vorgesehenen Krankenhauskapazität ab. Damit leisten die Projekte einen Beitrag im Sinne der Kampagne Vision 2020 zur Verhütung und Heilung von Sehbhinderungen und Blindheit sowie zur visuellen Rehabilitation dauerhaft sehgeschädigter Menschen. Da nach wie vor ein enormer Bedarf besteht, plant der CBM-Partner die Ausweitung des Programms auf weitere brasilianische Städte.

Weitere Informationen: VISION 2020 Kampagne
Lesen Sie weiter: Dienste für stark sehbehinderte Menschen
english deutsch français español
Schrift -0+

Informationen zu Brasilien

In Brasilien gibt es ausgezeichnete Programme zur Verhütung von Erblindung während der Kindheit. Zur Erfassung aller Betroffenen müssen diese jedoch auf das ganze Land ausgeweitet werden, wo sich ca. 165.000 sehbehinderte Kinder finden. Bei ungefähr 45 % von ihnen ist die Schädigung auf Toxoplasmose und bei 20 % auf Frühgeborenenretinopathie (ROP) und grauen Star zurückzuführen.

50 % aller Fälle sind entweder vermeidbar (einschließlich Röteln und Toxoplasmose) oder heilbar (einschließlich ROP, grauer Star und Glaukom). Unheilbar sind Erbkrankheiten und neurologische Erkrankungen.