Ein Tropfen im Ozean

Italienischer Mitarbeiter leitet orthopädische Werkstatt in Uganda

CBM-Mitarbeiter Sergio Mainetti.
Der CBM-Mitarbeiter Sergio Mainetti. © CBM
"Am besten macht man etwas, woran man glaubt. Das Resultat meiner Arbeit zu sehen, ist überaus lohnend - z.B. wenn ich sehe, wie Rollstühle Kinder deutlich unabhängiger machen können," sagt Sergio Mainetti. Der italienische Orthopädietechniker ist Mitarbeiter der Christoffel-Blindenmission (CBM) und leitet die orthopädische Werkstatt des Katalemwa Cheshire Home (KCH) in Kampala/Uganda. Diese gehört zu einem Zentrum für prä- und postoperative Rehabilitation von körperbehinderten Kindern und Jugendlichen.

Der 38-Jährige lebt seit mehr als acht Jahren in Uganda, und im August 2003 nahm er – 8 km von der Hauptstadt Kampala entfernt - seine Arbeit für die CBM in Katalemwa auf. Hier bestanden seine erste Herausforderungen darin, Leitung und Lagerhaltung der Werkstatt zu verbessern. "Mithilfe der von mir erstellten Datenbanken hat die Werkstattleitung nun Zugriff auf jede Art von relevanter Information wie Lagerbestände und -wert, Materialeinkauf und -einsatz, Produktionsdaten und Umsatz."

Anerkannte Qualität: Die orthopädische Werkstatt

Dass es hier eines guten Lagermanagements bedarf, kann man leicht daran ablesen, wie viele Hilfsmittel in der Werkstatt hergestellt werden. Im Jahre 2004 wurden 135 Gehschienen, 488 Krücken, fast 400 orthopädische Schuhe für Poliokranke, 52 Rollstühle sowie Orthesen, Prothesen, mit der Hand anzutreibende Behindertendreiräder, spezielle Stühle und Stützvorrichtungen produziert. "Wir verwenden einheimische Materialien, damit die Gemeinde umfassend zu dem Projekt beitragen kann – dies ist ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit." Das ugandische Gesundheitsministerium hat die Qualität der orthopädischen Werkstatt des Katalemwa Cheshire Home offiziell anerkannt und sie zum Lieferanten der Bezirke Mukono, Kayunga und Kamuli für das Jahr 2005 ernannt.

Sieben bis acht Monate im Heim

Die hier gefertigten Hilfsmittel werden für Kinder benötigt, die wegen ihrer Körperbehinderungen in Behandlung sind. Dazu gehören Kinderlähmung, Zerebralparesen, Klumpfuß, Osteomyelitis, Verbrennungskontrakturen, Tuberkulose und sonstige Erkrankungen. Im Schnitt werden mehr als 60 Patienten pro Tag stationär versorgt. Die Einrichtung verfügt über 54 Betten für Kinder und Jugendliche, die operiert werden müssen oder Gehhilfen benötigen. Die Dauer ihres Aufenthalts im Katalemwa Cheshire Home hängt von der jeweiligen Behinderung ab. "Die Korrektur eines Klumpfußes dauert sieben bis acht Monate. Vor Jahren wurde die Erkrankung noch chirurgisch korrigiert. Heutzutage verwenden wir Gipsverbände und Fußabduktionsschienen, damit sich der Fuß über die Monate in seine korrekte Position entwickelt," erläutert Mainetti.

Noch warten viele Kinder auf Behandlung

Neben dieser Versorgung mit qualitativ hochwertigen Rehabilitationsdiensten engagieren sich Mainetti und seine Frau, die Krankengymnastin Maria Regina Zulianello, in der Ausbildung einheimischer Fachkräfte. "An erster Stelle steht die Ausbildung. Wenn wir unsere Hauptanstrengungen nicht auf die Ausbildung richten, hat das alles keine Zukunft." In der Werkstatt lernen die Mitarbeiter, wie die Hilfsmittel konstruiert sind und wie man sie repariert. Maria Zulianello engagiert sich in der Ausbildung einheimischer Spezialisten, indem sie im Rehabilitationszentrum Kurztrainings am Arbeitsplatz organisiert und dafür sorgt, dass Beschäftigungstherapeuten an staatlichen Schulen unterrichten. Das Engagement und die Bemühungen sowohl der Mainetti-Familie als auch des Projektpartners haben zum guten Ruf des Katalemwa Cheshire Home als Ausbildungszentrum beigetragen: "Das KCH ist im ganzen Land dafür bekannt, dass es Fachleuten wie Krankengymnasten, Beschäftigungstherapeuten, Orthopädietechnikern und anderen ermöglicht, sich weiterzuqualifizieren."

Weitere Informationen: Dienste für Menschen mit körperlichen Behinderungen

Hoher Bedarf an Orthopädie-Fachkräften

Im Bereich orthopädische Behinderungen werden nach wie vor Fachkräfte benötigt, da viele Kinder noch gar nicht behandelt wurden: Uganda hat eine Gesamtbevölkerung von 26 Millionen. 52 % sind unter 15 Jahre alt, und von diesen sind 1,1 Millionen behindert. Wie kommt Mainetti mit dieser Situation zurecht? "Wenn man den Gesamtbedarf sieht, ist der eigene Beitrag nur ein Tropfen im Ozean. Trotzdem sollte jeder seinen Beitrag leisten, so gut er kann."
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Schlüsselrolle bei der Vernetzung von Projekten

Der Partner, das Uganda Cheshire Home for Paraplegics and Disabled, wird seit 1983 unterstützt. Das Rehabilitationszentrum und die orthopädische Werkstatt für Kinder spielen bei der Vernetzung CBM-geförderter Projekte in Uganda eine Schlüsselrolle. Auch Patienten aus dem Landesinneren und aus Kampala werden zur Rehabilitation und Behandlung in das Katalemwa Cheshire Home überwiesen.