Information hilft gegen Irrglauben
Fachberater Dr. Piet van Hasselt unterwegs in Madagaskar
Nancy ist sechs Jahre alt und geht seit kurzem zur Schule. Eigentlich hat sie sich darauf gefreut, doch jetzt fällt es ihr schwer, dem Unterricht zu folgen. Auch ihr Lehrer hat bemerkt, dass Nancy scheinbar nicht zuhört und in der Klasse nicht aufpasst. Seine Vermutung: Nancy hört nicht gut. Ihr Vater ist sehr besorgt und hat sein kleines Mädchen in die Sprechstunde von Dr. Piet van Hasselt gebracht.
Kleiner Schnitt – große Wirkung
Bei der Untersuchung von Nancys Ohren mit dem Otoskop – dem Ohrenspiegel – sieht van Hasselt, dass Nancy unter einer Mittelohrentzündung leidet. Hinter ihrem Trommelfell hat sich Eiter angesammelt. Dadurch kann sich die dünne Membran nicht mehr bewegen und auch keine Schallwellen übermitteln. Deshalb hört Nancy schwer. Ein Test ergibt, dass ihr Hörvermögen auf dem rechten Ohr nur noch 40 Prozent und auf dem linken Ohr nur 60 Prozent beträgt. Durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell wird das zähe Sekret abgesaugt. Anschließend setzt van Hasselt ein Röhrchen ins Trommelfell ein, durch das weitere Flüssigkeit ablaufen kann. Der Erfolg der kleinen Operation ist sofort bemerkbar: Nancy hört wesentlich besser.
Bagatelle mit fatalen Folgen
Nicht alle Kinder haben das Glück, dass ihre Mittelohrentzündung rechtzeitig erkannt wird. Mit schwerwiegenden Folgen: Viele Madagassen – Kinder wie Erwachsene – hören schlecht oder haben sogar ihr Gehör verloren, weil sie nie ihre chronische Mittelohrentzündung auskuriert haben. "Ohrenentzündungen werden in Madagaskar gewöhnlich nicht behandelt", bedauert van Hasselt: "Wir treffen hier viele Kinder, die deshalb taub geworden sind."
Milch aus den Ohren?
Eine der Hauptaufgaben des CBM-Mitarbeiters besteht folglich darin, den Madagassen zu vermitteln, dass eine Mittelohrentzündung nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Auf dem Land haben so viele Babys und Kinder nässende Ohren, dass man dies dort sogar für normal hält. Und weil das Sekret, das aus den Ohren läuft, weißlich ist, glauben viele, dass es sich um Muttermilch handelt, die den Säuglingen wieder aus den Ohren kommt. Nicht von ungefähr ist der madagassische Begriff „totongan-dronono” gleichzeitig das Wort für Ohrenentzündung und Muttermilch. Ein Irrglaube mit fatalen Folgen: Manche Mütter hören auf, ihre Babys zu stillen, was wiederum die Anfälligkeit der Säuglinge für Krankheiten steigert.
Allein auf weiter Flur
Auf Madagaskar wird die Behandlung der Ohren als Spezialgebiet betrachtet, sodass das Personal der Kliniken auf dem Land nicht einmal die einfachsten Ohrenkrankheiten behandelt. Keines der öffentlichen Krankenhäuser – von denen es ohnehin nur eines pro Provinz gibt – kümmert sich um spezielle Ohrenbeschwerden. Die vor rund sechs Jahren eröffnete, von der CBM unterstützte Klinik in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo ist die einzige, die Ohren- und Hörprobleme behandelt.
Allein auf weiter Flur
Auf Madagaskar wird die Behandlung der Ohren als Spezialgebiet betrachtet, sodass das Personal der Kliniken auf dem Land nicht einmal die einfachsten Ohrenkrankheiten behandelt. Keines der öffentlichen Krankenhäuser – von denen es ohnehin nur eines pro Provinz gibt – kümmert sich um spezielle Ohrenbeschwerden. Die vor rund sechs Jahren eröffnete, von der CBM unterstützte Klinik in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo ist die einzige, die Ohren- und Hörprobleme behandelt.
Nur ein HNO-Arzt für 17,5 Millionen
Außer Piet van Hasselt gibt es keinen Ohrenchirurgen für die rund 17,5 Millionen Einwohner. Er ist auch der einzige Arzt, der Patienten an Wucherungen von entzündlichem Gewebe (Cholesteatom), die bei chronischen Ohrenentzündungen auftreten können, operiert. Außerdem operiert er eine weitere gefährliche Komplikation der Mittelohrentzündung, die Mastoiditis. Bei dieser Erkrankung breitet sich die Entzündung auf den Knochen hinter dem Ohr aus. Ohne Behandlung kann dies zu Hirnhautentzündung, Gesichts- und Augenmuskellähmungen führen.
Das Wissen weitergeben
Van Hasselt besucht Madagaskar zwei- bis dreimal pro Jahr, um möglichst viele Patienten zu behandeln. Da diese Besuche aber kaum ausreichen, schult er während seines Aufenthalts zwei madagassische Ärzte im Einsetzen von Trommelfell-Röhrchen und Reparieren von Löchern im Trommelfell – zwei der gängigsten Operationen, die das Hörvermögen des Betroffenen sofort verbessern. "Armen Menschen zu helfen, ist Teil meines Selbstverständnisses als Christ", sagt Piet van Hasselt über seine Arbeit, die nur durch Spenden von Missionsfreunden getragen wird.
Fotos: Wim Hendrix
Weitere Informationen: Verhütung von Hörschäden
Mehr zum Thema: Was ist Mittelohrentzündung?
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Van Hasselt besucht Madagaskar zwei- bis dreimal pro Jahr, um möglichst viele Patienten zu behandeln. Da diese Besuche aber kaum ausreichen, schult er während seines Aufenthalts zwei madagassische Ärzte im Einsetzen von Trommelfell-Röhrchen und Reparieren von Löchern im Trommelfell – zwei der gängigsten Operationen, die das Hörvermögen des Betroffenen sofort verbessern. "Armen Menschen zu helfen, ist Teil meines Selbstverständnisses als Christ", sagt Piet van Hasselt über seine Arbeit, die nur durch Spenden von Missionsfreunden getragen wird.
Fotos: Wim Hendrix
Weitere Informationen: Verhütung von Hörschäden
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