Spuren auf der Seele
Die Taifun-Katastrophe von 2004 hat auf den Philippinen Narben hinterlassen
-

- Philipp Mendoza, Psychologe bei der CBM-Partnerorganisation Operation Compassion, spricht zu Menschen, die durch die Taifunkatastrophe traumatisiert sind. © CBM
Vor zwei Jahren sind Taifune über die Philippinen hinweggefegt. Sie haben Spuren hinterlassen – in der Landschaft und im Leben der Menschen. Etwa ein- bis zweitausend Menschen starben durch die Taifune und die von ihnen ausgelösten Erdrutsche, viele verloren ihre Häuser. Um das tägliche Leben in zweien der betroffenen Gemeinden wieder aufzubauen und das psychosoziale Wohlbefinden der Menschen dort zu stärken, hat die CBM-Partnerorganisation Operation Compassion die Dorfbewohner zu wöchentlichen Gemeindeversammlungen eingeladen. Neben Beratung zur Bewältigung der traumatischen Erfahrungen gibt es bei den Treffen auch praktische Hilfestellung um den Lebensunterhalt zu sichern.
Rund dreißig Menschen, Gemeindeberater und einige ihrer Kinder sitzen zusammen in einer Versammlungshalle. Der Raum hat ein hohes hölzernes Dach und Holzlatten statt Fenster – die heiße Luft strömt hin und her. Mariah Malan (alle Namen geändert), Geschäftsführerin von Operation Compassion und Phillip Mendoza, der ein ausgebildeter Psychologe ist und zugleich Projektleiter, stehen vorne und sagen: "Schließt eure Augen und vergesst, dass Menschen um euch herum sitzen. Während ihr atmet, dankt Gott, der euch das Leben geschenkt hat."
Die Stille ist enorm – nur die sanften Stimmen einiger Frauen, die draußen das Mittagessen vorbereiten und Kinder, die unter den Kokospalmen spielen, sind zu hören. Nach einer Weile spricht Philipp weiter: "Stellt euch einen Raum vor den ihr mögt, nehmt einen Bilderrahmen und rahmt eure Freuden und Sorgen ein. Dankt Gott für alles und hängt den Rahmen an eine Wand in eurem Raum. Lasst ihn dort hängen, denn er enthält nur ein Bild mit Erinnerungen an das, was ihr erlebt habt."
Rund dreißig Menschen, Gemeindeberater und einige ihrer Kinder sitzen zusammen in einer Versammlungshalle. Der Raum hat ein hohes hölzernes Dach und Holzlatten statt Fenster – die heiße Luft strömt hin und her. Mariah Malan (alle Namen geändert), Geschäftsführerin von Operation Compassion und Phillip Mendoza, der ein ausgebildeter Psychologe ist und zugleich Projektleiter, stehen vorne und sagen: "Schließt eure Augen und vergesst, dass Menschen um euch herum sitzen. Während ihr atmet, dankt Gott, der euch das Leben geschenkt hat."
Die Stille ist enorm – nur die sanften Stimmen einiger Frauen, die draußen das Mittagessen vorbereiten und Kinder, die unter den Kokospalmen spielen, sind zu hören. Nach einer Weile spricht Philipp weiter: "Stellt euch einen Raum vor den ihr mögt, nehmt einen Bilderrahmen und rahmt eure Freuden und Sorgen ein. Dankt Gott für alles und hängt den Rahmen an eine Wand in eurem Raum. Lasst ihn dort hängen, denn er enthält nur ein Bild mit Erinnerungen an das, was ihr erlebt habt."
Stellt eure Sorgen in einen Bilderrahmen!
Stille, die Menschen sitzen mit geschlossenen Augen da. Man kann nur ahnen, was sie sehen – Schlamm, Tod, Schrecken und Zerstörung; alle erschreckenden Erfahrungen, die sie während der Naturkatastrophe gemacht haben. Nach wenigen Minuten werden die Gruppenmitglieder gebeten, einander ihre Gedanken zu erzählen. Eine Frau sagt, dass sie sich nach der Übung leichter fühlt, wenn sie auf das zurückblickt, was sie überlebt hat.
Die Berater sind gewöhnliche Männer und Frauen aus Banglos und Ilog, Bauern und Fischer, unter ihnen sind auch 20 kirchliche Mitarbeiter. In einem Land, in dem es nur rund 350 Psychiater für 80 Millionen Menschen gibt, geht die CBM-Partnerorganisation Operation Compassion den Bedarf nach psychologischem Beistand durch die Ausbildung von Freiwilligen an, die innerhalb der Gemeinden ausgewählt werden und dort auch bleiben. Operation Compassion glaubt, dass die Gemeindeberater, die den Problemen ihrer Nachbarn zuhören sollen, selbst "verwundete Heiler" sind, die ihre eigenen seelischen Wunden erkannt und deshalb ein authentisches Mitgefühl für andere entwickelt haben. Sie "können eine heilende Kraft für die Gemeinde sein; sich für die Gemeinschaft und gute Beziehungen unter den Nachbarn einsetzen", zitiert Dr. Istvan Patkai aus K. und E. Bartsch, Stress and Trauma Healing (1996, South Africa). Der Psychiater der CBM hat die 30 Berater ausgebildet, mit psychologischen und sozialen Auswirkungen der Katastrophe umzugehen und Menschen in den Dörfern in ihrem Kampf mit Erinnerungen und Zerstörungen, Schrecken und Hilflosigkeit zu unterstützen.
Die Berater sind angewiesen, die während ihrer Treffen verwandten Techniken auch während der wöchentlichen Zusammenkünfte der Sparclubs anzuwenden, an denen sie teilnehmen. Dort haben die Menschen in den verheerten Dörfern die Gelegenheit über verschiedene Ebenen ihrer erschreckenden oder aufreibenden Erlebnisse zu sprechen; einige von ihnen tun dies zum ersten Mal. Viele haben Verwandte und Besitz in den Taifunen verloren, und sie haben Angst, dass die Überschwemmungen zurückkehren und alles wieder vernichten, was sie bis dahin erreicht haben. Die Sorgen umkreisen das Wohlergehen der Familie und den Lebensunterhalt und die Frage, ob die Eltern es sich weiterhin leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Diese Erfahrungen führen zu schwerer Verzweiflung; tieferliegende Probleme sind Übergriffe des Militärs, das Verschwinden von Menschen, Landnahme und Vertreibung.
Die Berater sind gewöhnliche Männer und Frauen aus Banglos und Ilog, Bauern und Fischer, unter ihnen sind auch 20 kirchliche Mitarbeiter. In einem Land, in dem es nur rund 350 Psychiater für 80 Millionen Menschen gibt, geht die CBM-Partnerorganisation Operation Compassion den Bedarf nach psychologischem Beistand durch die Ausbildung von Freiwilligen an, die innerhalb der Gemeinden ausgewählt werden und dort auch bleiben. Operation Compassion glaubt, dass die Gemeindeberater, die den Problemen ihrer Nachbarn zuhören sollen, selbst "verwundete Heiler" sind, die ihre eigenen seelischen Wunden erkannt und deshalb ein authentisches Mitgefühl für andere entwickelt haben. Sie "können eine heilende Kraft für die Gemeinde sein; sich für die Gemeinschaft und gute Beziehungen unter den Nachbarn einsetzen", zitiert Dr. Istvan Patkai aus K. und E. Bartsch, Stress and Trauma Healing (1996, South Africa). Der Psychiater der CBM hat die 30 Berater ausgebildet, mit psychologischen und sozialen Auswirkungen der Katastrophe umzugehen und Menschen in den Dörfern in ihrem Kampf mit Erinnerungen und Zerstörungen, Schrecken und Hilflosigkeit zu unterstützen.
Die Berater sind angewiesen, die während ihrer Treffen verwandten Techniken auch während der wöchentlichen Zusammenkünfte der Sparclubs anzuwenden, an denen sie teilnehmen. Dort haben die Menschen in den verheerten Dörfern die Gelegenheit über verschiedene Ebenen ihrer erschreckenden oder aufreibenden Erlebnisse zu sprechen; einige von ihnen tun dies zum ersten Mal. Viele haben Verwandte und Besitz in den Taifunen verloren, und sie haben Angst, dass die Überschwemmungen zurückkehren und alles wieder vernichten, was sie bis dahin erreicht haben. Die Sorgen umkreisen das Wohlergehen der Familie und den Lebensunterhalt und die Frage, ob die Eltern es sich weiterhin leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Diese Erfahrungen führen zu schwerer Verzweiflung; tieferliegende Probleme sind Übergriffe des Militärs, das Verschwinden von Menschen, Landnahme und Vertreibung.
Psychische Gesundheit – die Fähigkeit zu lieben und zu arbeiten
Dinge ins Verhältnis setzen (das Positive und Negative) und mit allem klarzukommen, was die Menschen erfahren haben, ist ein Prozess, der andauert, lange nachdem eine Katastrophe passiert ist. Die Menschen brauchen Zeit, um sich den aktuellen und vorhandenen Stressfaktoren zu stellen und falsche Bewältigungsstrategien zu vermeiden. Die Beratung richtet sich an die gesamte Gemeinschaft und ist mit sozialen Aktivitäten, wie Jugendcamps und christlichen Feiern verbunden, die insgesamt eine Atmosphäre schaffen, die es ermöglicht, Gefühle auszudrücken und zur Problemlösung beizutragen.
Zudem bietet Operation Compassion Paarberatung an, da auch Partnerbeziehungen in Banglos und Ilog unter dem Stress gelitten haben, der von der Taifun-Katastrophe verursacht worden ist. "Psychische Gesundheit wird als Fähigkeit zu Liebe und Arbeit verstanden", sagt Dr. Patkai und verweist damit auf ein Konzept von Sigmund Freud, dem berühmten österreichischen Psychoanalytiker, dessen Bedeutung für die Psychoanalyse anlässlich seines 150. Geburtstages wieder diskutiert wird.
Externer Link: Artikel aus DER SPIEGEL zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud
Zudem bietet Operation Compassion Paarberatung an, da auch Partnerbeziehungen in Banglos und Ilog unter dem Stress gelitten haben, der von der Taifun-Katastrophe verursacht worden ist. "Psychische Gesundheit wird als Fähigkeit zu Liebe und Arbeit verstanden", sagt Dr. Patkai und verweist damit auf ein Konzept von Sigmund Freud, dem berühmten österreichischen Psychoanalytiker, dessen Bedeutung für die Psychoanalyse anlässlich seines 150. Geburtstages wieder diskutiert wird.
Externer Link: Artikel aus DER SPIEGEL zum 150. Geburtstag von Sigmund Freud
-

- Die Gemeindeberater spielen eine wichtige Rolle dabei, die Dörfer zu organisieren und den Dorfbewohnern Mut zu machen, damit sie sich selbst helfen können. © CBM
Eurer Dorf ist eure Aufgabe!
Danielo Tanyhan, ein Bauer, der seine gesamte Ernte verloren hat, und Dalen Valdemoza, eine Frau, die einen Sparclub besucht, und all die anderen Menschen im Bezirk Banglos haben viel erlebt. Die Landschaft, in der die Dörfer liegen, trägt Narben, die die Menschen jeden Tag daran erinnern, wie die Katastrophe ihr Leben verändert hat: Das Dorf wurde von einem Erdrutsch in zwei Teile geteilt, der Fluss in ein neues Flussbett gezwungen.
Es scheint wie ein Wunder, dass die Menschen sich davon erholt und in so kurzer Zeit ihr Alltagsleben wiederaufgenommen haben. Der Grund mag in der starken Vision liegen, die das Programm von Operation Compassion trägt, und die Mariah begeistert beschreibt: "Unser Ziel ist es, die Nation zu verwandeln—und dazu beginnen wir in den Dörfern." Sie verweist auf das Konzept des "sagip bansa", das von Operation Compassion entwickelt wurde und "die Nation bewahren" bedeutet. Es appelliert an die Verantwortung der Menschen: "Euer Barangay (Dorf) ist eure Sache." Die Dorfbewohner werden aufgefordert, in die Bresche zu springen, wenn der Staat nicht helfen kann. Tatsächlich wurde das geteilte Dorf bei staatlichen Wiederaufbauplanungen übersehen.
Es scheint wie ein Wunder, dass die Menschen sich davon erholt und in so kurzer Zeit ihr Alltagsleben wiederaufgenommen haben. Der Grund mag in der starken Vision liegen, die das Programm von Operation Compassion trägt, und die Mariah begeistert beschreibt: "Unser Ziel ist es, die Nation zu verwandeln—und dazu beginnen wir in den Dörfern." Sie verweist auf das Konzept des "sagip bansa", das von Operation Compassion entwickelt wurde und "die Nation bewahren" bedeutet. Es appelliert an die Verantwortung der Menschen: "Euer Barangay (Dorf) ist eure Sache." Die Dorfbewohner werden aufgefordert, in die Bresche zu springen, wenn der Staat nicht helfen kann. Tatsächlich wurde das geteilte Dorf bei staatlichen Wiederaufbauplanungen übersehen.
Die Stärke der Filipinos
Wo nimmt die Geschäftsführerin von Operation Compassion, Mariah Malan, unter diesen Umständen ihre Zuversicht her? "Ich glaube an die Stärke der Filipinos", sagt die 48-Jährige, und ihr Glaube gibt ihr die Kraft einen Neuanfang gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften anzustreben. "Wenn eine neue Katastrophe passiert, sind die Menschen besser vorbereitet, und ihr Glaube an ihre Fähigkeiten gestärkt", hofft Mariah. Die Hoffnung ist begründet, weil Operation Compassion einen Gemeinschaftsgeist geschaffen und die Menschen befähigt hat, sich selbst zu organisieren und für sich zu sorgen.
Die Organisation möchte das erfolgreiche Programm auch in anderen unterstützungsbedürftigen Provinzen der Philippinen umsetzen, mit Hilfe der sozialen und geistlichen Ämter des Netzwerkes evangelischer Kirchen, mit dem sie zusammenarbeitet. "Wir sagen den Menschen in Banglos und Ilog, dass wir nicht für immer hier sein und ihnen helfen werden. Und sie verstehen, dass sie sich selbst auf die Zukunft vorbereiten müssen," sagt Mariah.
Lesen Sie weiter: Hoffnung auf Zukunft wecken - Ein Sparprogramm als Start in den Wiederaufbau nach einer Katastrophe
Weitere Informationen: Was der Boden hergibt - Wiederaufbau von Dörfern nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen
Zurück: Projektberichte
Die Organisation möchte das erfolgreiche Programm auch in anderen unterstützungsbedürftigen Provinzen der Philippinen umsetzen, mit Hilfe der sozialen und geistlichen Ämter des Netzwerkes evangelischer Kirchen, mit dem sie zusammenarbeitet. "Wir sagen den Menschen in Banglos und Ilog, dass wir nicht für immer hier sein und ihnen helfen werden. Und sie verstehen, dass sie sich selbst auf die Zukunft vorbereiten müssen," sagt Mariah.
Lesen Sie weiter: Hoffnung auf Zukunft wecken - Ein Sparprogramm als Start in den Wiederaufbau nach einer Katastrophe
Weitere Informationen: Was der Boden hergibt - Wiederaufbau von Dörfern nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen
Zurück: Projektberichte









