Hoffnung auf Zukunft wecken

Ein Sparprogramm als Start in den Wiederaufbau nach einer Katastrophe

Menschen sitzen auf Plastikstühlen im Kreis unter Bäumen.
Diese Gruppe von Gemeindeberatern berichtet über die Resultate, die ihre Sparclubs erzielt haben. Eine von ihnen ist Dalen - ihre Gruppe hat innerhalb von sechs Monaten 13.000 Pesos gespart. Zusammen wollen die Dorfbewohner ein kleines Gemeinschaftsunternehmen gründen - ein Geschäft oder eine Bäckerei. © CBM
Sparen als Einstieg in Wiederaufbaumaßnahmen – diesen ungewöhnlichen Weg ist eine Partnerorganisation der CBM nach der Taifun-Katastrophe von 2004 auf den Philippinen gegangen. Wiederaufbau wird dabei umfassend verstanden – er umfasst psychosoziale Beratung und praktische Hilfestellung beim Lebensunterhalt.

Dass es nicht reicht, nur die unmittelbaren Bedürfnisse nach einer Katastrophe zu stillen, ein paar Decken zu verteilen und Nahrungsmittel, hat Sarah Ricardo (alle Namen geändert) erfahren. Die 25-jährige Agrarwissenschaftlerin wurde von Operation Compassion in die vom Taifun verwüsteten Dörfer Banglos und Ilog geschickt, um die Bevölkerung zu landwirtschaftlichen Produktionstechniken zu beraten: "Es war eine Herausforderung, die Leute in den Gemeinden zum Weitermachen zu ermutigen", sagt Sarah. Sie merkte, dass alle psychisch viel gelitten hatten. Viele hatten Verwandte verloren und sie sahen keinen Sinn mehr darin, zu investieren, wenn sicher schien, dass ein weiterer Taifun kommen und alles wieder zerstören würde.

Die Taifun-Katastrophe hat den Menschen in den Dörfern ihrer Stärke beraubt. Dies hatte zur Folge, dass die Menschen sich auf milde Gaben verließen und passiv auf Hilfe warteten. Traumatisierende Auswirkungen der Katastrophe, wie das Wieder-Erleben der schrecklichen Erdrutsche, die Häuser und Felder bedeckten, trugen zu dieser passiven Haltung bei. Nach einer Bedarfsanalyse Ende 2004 entwickelte Operation Compassion ein Konzept, um den Menschen in den betroffenen Gebieten neue Hoffnung und den Willen zu vermitteln, neue Pläne für die Zukunft zu machen. Dazu entwickelte die philippinische Nichtregierungsorganisation ein Programm, das Sparclubs mit Stress- und Traumaberatung koppelte und auch Paarberatung und Maßnahmen zur Gemeindeorganisation umfasste.

Dörfer bereiten sich selbst auf die Zukunft vor

Das Bayanihan Sparprogramm wurde den Dörfern Banglos und Ilog (Provinz Quezon) erstmals im April 2005 vorgestellt. Bayanihan bezeichnet den philippinischen Wert der gegenseitigen Hilfe und des gemeinsamen Lasten Tragens auf Ebene der Dorfgemeinschaft, um einander in Notzeiten beizustehen oder um bestimmte Ziele gemeinsam zu erreichen. Das Programm zielt darauf ab, die Passivität der Dorfbewohner zu bekämpfen und deren Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wieder aufzubauen. Gleichzeitig sollen die traumatisierenden Auswirkungen der Katastrophe überwunden werden, indem für die Zukunft geplant wird.

Bislang sind 25 Sparclubs eingerichtet worden, mit jeweils acht bis zehn Mitgliedern. Die wöchentlichen Treffen vereinen und organisieren die Dörfer und ermutigen die Menschen, Geld zu sparen und Pläne zu machen. Ein Berater hilft den Gruppen, die Namen von Blumen oder Obst tragen und Wachstum und Entwicklung symbolisieren sollen, Lösungen zu finden und diese zu diskutieren. Ihr Ziel ist es, die Dorfgemeinschaften dazu zu befähigen, die Bewohner bei Problemen beim Lebensunterhalt oder bei psychischen Schwierigkeiten zu unterstützen, die von der Katastrophe verursacht wurden.

Einer derjenigen, die eine Beratungsfunktion in der Gemeinde übernommen hat, ist Luis Agiular (32). Es sitzt im Kreis mit den anderen Mitgliedern des Sparclubs und trägt ein Muskel-T-Shirt und berichtet von seinem vollen Terminkalender als Gemeindeberater: "Mittwochs beginnen die wöchentlichen Gruppentreffen um acht oder neun Uhr, und dauern bis ein Uhr morgens. Anschließend besprechen wir Probleme beim Lebensunterhalt. Nach dem Mittagessen von zwei bis vier verbringe ich Zeit im Dorf." Praktische Beratung zum Sparen, zu Lebensunterhalt und Landwirtschaft trägt zu einer sicheren Atmosphäre bei, die den Menschen hilft, über ihre leidvollen Erinnerungen an die Katastrophe, die mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Abhängigkeit verbunden sind, hinwegzukommen.
große Version anzeigen Ein junger Mann weist auf das Dach eines Hauses. Bis hier hin war es unter Schlamm begraben, der durch die Taifune ins Dorf gespült worden war.
Der junge Mann weist auf das Dach eines Hauses. Bis hier hin war es unter Schlamm begraben, der durch die Taifune ins Dorf gespült worden war. Die Gemeinde musste das Haus ausgraben. Dies dauerte mehrere Monate. Jetzt werden die Sparbücher der Spargemeinschaften dort aufbewahrt. © CBM

Sparen für ein Gemeinschaftsunternehmen - Das Dorf braucht eine Bäckerei

"Das erste Mal, als wir in unser Sparbuch geschaut haben, waren wir erstaunt und begeistert, wie viel wir gespart hatten", sagt Dalen Valdemoza (33). Während der Treffen der Sparclubs wird das Sparguthaben bekannt gegeben. Die Mitglieder werden ermahnt, regelmäßig an den Treffen teilzunehmen und ihren Beitrag zu leisten. Die Disziplin täglich etwas beiseite zu legen und Pläne für die Zukunft zu machen, wird durch die Sparprogramme gefördert. Zudem lernt die Dorfgemeinschaft zu planen, sich zu organisieren und ihre Mitglieder zu unterstützen. Konflikte in der Gruppe werden offen angesprochen, etwa in dem Fall einer Teilnehmerin, die es sich nicht leisten kann, regelmäßig zu den Spareinlagen der Gruppe beizutragen. Innerhalb von sechs Monaten hat Dalens Gruppe, die aus zehn armen Bauern und Fischern besteht, 13.000 Pesos gespart (196 Euro).

"Das Ziel der Gruppe ist es, genügend Geld als Grundlage für ein Darlehen zu sammeln, das dafür gedacht ist, einen Laden zu eröffnen", sagt Dalen. Die Spareinlagen sind auch dazu da, die Mitglieder der Gruppe im Falle einer persönlichen Notlage zu unterstützen, etwa um Medizin zu kaufen oder einen Krankenhausaufenthalt zu bezahlen. Die Gruppe hat die Sparprogramme als gemeindenahe Form der Krankenversicherung entwickelt.

"Wir hoffen, dass die Gemeinden für die Zukunft besser gewappnet sind und sich gegenseitig unterstützen können, etwa in dem wahrscheinlichen Fall einer neuen Katastrophe," sagt Jo Fernandez, ein früherer Ingenieur und jetzt verantwortlich für das Bayanihan Sparprogramm von Operation Compassion. Die Organisation, die in 2004 gegründet worden ist und seitdem von CBM unterstützt wird, verfolgt einen innovativen Ansatz bei der Gemeindeorganisation. Sie hofft, dass die Dorfgemeinschaft bald Kleinstgewerbe gründen kann, das sie weniger abhängig von Landwirtschaft machen wird. Fernandez hat die Gruppen gegeben, über ein Traum-Unternehmen nachzudenken, das sie gerne gründen würden. "Operation Compassion wird sie dabei unterstützen, Partner für die Gründung einer Bäckerei oder einer Tankstelle zu finden, indem die verschiedenen Sparclubs in einem dörflichen Gemeinschaftsunternehmen verknüpft werden."

"Die Auswirkungen des Sparprogramms zeigen sich nicht nur in den Sparbüchern, die jede einzelne Gruppe führt, sondern auch daran, wie die Dorfgemeinschaften mittlerweile in der Lage sind, auf ihre eigenen Stärken und Ressourcen zu vertrauen", sagt Fernandez.

Lesen Sie weiter: Was der Boden hergibt - Wiederaufbau von Dörfern nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen
Weitere Informationen: Spuren auf der Seele - Die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen hat Narben hinterlassen

Zurück: Projektberichte
english deutsch français español
Schrift -0+

Weitere Informationen

Operation Compassion hat seine Arbeit im Anschluss an die Taifun-Katastrophe von 2004 aufgenommen, und wird seitdem von CBM unterstützt. Die Organisation bietet einen neuen Weg der Katastrophenreaktion, indem sie die umfassenden Nöte der Überlebenden adressiert, mit Hilfe von Sparprogrammen, den Lebensunterhalt sichernden Maßnahmen (Landwirtschaft und Geflügelhaltung), Trauma-Beratung und Beratung für Paare und Jugendliche.

Zudem sind eine gemeinschaftlich betriebene Apotheke, Schulausbildung für Kinder und medizinische Versorgung in den zwei Bezirken Banglos und Ilog aufgebaut worden. Mit Hilfe der Organisation und der Gemeinde wurden die zwei Dörfer in relativ kurzer Zeit wiederhergestellt. Immerhin war eine der Gemeinden nicht in die staatlichen Nothilfemaßnahmen einbezogen, und lagen die Dörfer drei Monate lang unter Schlamm und Baumstämmen begraben.