Was der Boden hergibt

Wiederaufbau von Dörfern nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen

Ein Bauer steht vor seinem Feld und hält eine Sichel in der Hand. Die Sonne scheint und die Wolken hängen tief über dem Feld. Die Erde sieht ausgetrocknet aus, es wachsen aber einige Maispflanzen darauf.
Danielo ist es gewohnt, hart zu arbeiten. Doch nach der Taifun-Katastrophe hatte er seine Stärke eingebüßt. Er fühlte sich hilflos und wusste nicht, wie er neu anfangen sollte. Aber die Beratung durch zwei junge Agrarwissenschaftlerinnen half ihm dabei, sich an die neue Situation anzupassen und trotz des schlechteren Bodenzustands Erträge zu erwirtschaften - mit neuen Gemüse und Getreidesorten. © CBM
Als der Schlamm sein Land und die Häuser in der Nachbarschaft bis zu zehn Meter hoch bedeckte, wusste Danielo Tanyhan nicht mehr, was er machen sollte. Überall lagen Baumstämme herum; der Schlamm bedeckte die Erde und der Bauer konnte die Felder nicht mehr sehen, die er zuvor beackert hatte. Taifune hatten das fruchtbare Land der Bezirke Banglos und Ilog verwüstet und ein- bis zweitausend Menschen getötet. Das war im November 2004.
Nach einer Phase der unmittelbaren Nothilfe, hat eine lokale Partnerorganisation der CBM ein psychosoziales Wiederaufbauprogramm gestartet, das auch den Lebensunterhalt sichernde Maßnahmen für Landwirte umfasst, und etwa 1.500 Menschen zugute kommt.

"Wir waren traurig und wussten nicht, was wir tun sollen", sagt Danielo (55, alle Namen geändert). Danielo verlor seinen Handpflug und drei Karabaos, die er für die Feldarbeit eingespannt hatte, bevor der Taifun alles hinwegfegte und Erdrutsche den Boden überschwemmten. Jetzt muss sich Danielo ein Karabao leihen, wenn er seinen Boden bestellen will. Alles was ihm geblieben war, ist ein Pferd und hölzerner Pflug, den er mit der Hand bedienen muss. Die Katastrophe in der Provinz Quezon, einer der ärmsten innerhalb des Inselparadieses der Philippinen, zwang sogar den Fluss Agos in ein neues Flussbett, so dass der Bezirk Banglos, in dem Danielo lebt, in zwei Teile zerteilt wurde. Häuser und ehemals fruchtbare Felder waren auf Dauer ruiniert.
große Version anzeigen Ein Carabao zieht den Pflug auf einem Feld in der Provinz Quezon. Ein Mann spornt es an. Er trägt einen Strohhut auf dem Kopf gegen die Sonne.
Carabaos werden in der Provinz Quezon als Pflugtiere genommen. Nicht viel scheint sich in der Landwirtschaft seit Jahrhunderten geändert zu haben. © CBM

Saure Erde lässt den Reis verdorren

Schlamm und säurehaltige Erde, die von den Bergen hinabgespült wurde, bedeckten die Felder des Bauern und machten die Erde unbrauchbar für das Anpflanzen von Reis. Danielo ist stark, dünn, aber an harte Arbeit gewöhnt. Doch selbst er war ratlos, wie er seine missliche Situation verbessern könnte. Reis war seit Generationen das bevorzugte Getreide gewesen und das Leben der Menschen war seit jeher davon bestimmt, was sie dem Boden abringen konnten.
Eine junge Frau wiegt Saatgut in einer Waagschale, um sie an Dorfbewohner auszugeben.
Sarah Ricardo wurde von der CBM-Partnerorganisation Operation Compassion eingesetzt, um die Menschen beim pflanzen und düngen zu beraten, damit sie mehr aus dem Boden herausholen können. Sie wiegt Saatgut und gibt es an Dorfbewohner aus. Die Menge ist genau auf deren Bedarf abgestimmt. © CBM

Neue Wege des Pflanzens und Düngens

Dann kamen zwei junge Frauen und sprachen mit Danielo über den Boden, den Schlamm und den Markt für seine Produkte. Sarah Ricardo (25) und Teresa Sebastian (23) sind Agrarwissenschaftlerinnen, die die CBM-Partnerorganisation Operation Compassion in die Dörfer geschickt hat. Der Job der zwei jungen Expertinnen ist es, den Landwirten in den von den Taifunen betroffenen Gebieten dabei zu helfen, ihre Betriebe nach den Zerstörungen wieder aufzubauen und neue Wege des Pflanzens und Düngens zu finden. Danielo, der erfahrene Landwirt, hörte zu, was die beiden zu sagen hatten- obwohl er glaubte, dass sein Land nicht für das Anpflanzen von grünen Bohnen und anderem Gemüse geeignet wäre. Aber er da er keine andere Wahl hatte, pflanzte Danielo auf seinen 5000 Quadratmetern, was die jungen Frauen ihm geraten hatten.

Der Rat der zwei jungen Filipinas basierte auf Bodentests und Kenntnissen über Düngemittel und Landwirtschaftstechniken, die die beiden während ihres agrarwissenschaftlichen Studiums an der Universität der Philippinen in Los Baños, Laguna, erworben hatten. Sarah und Teresa blieben ein Jahr lang in Banglos, um die Familien der Landwirte zu beraten, wie sie ihr Geschäft in einer neuen Weise wieder aufbauen konnten.

"Wir sagten ihnen, sie sollten verschiedene Pflanzen anbauen, anstatt nur eine einzige und das Getreide wechseln, je nach Bodenbeschaffenheit und Wetterbedingungen. So setzen sie weniger aufs Spiel, wenn eine Pflanze keinen Ertrag bringt", sagt Sarah. Auch Dünger konnten die Bauern von Banglos nicht mehr verwenden wie früher, und auch nicht mehr dasselbe Gemüse anbauen wie bisher, weil die Bodenqualität schlechter geworden ist. Aber die jungen Frauen zeigten den Familien, wie sie wieder Erträge auf ihren Feldern erwirtschaften konnten: Bodenanalysen ergaben, welche Düngemittel sie für welchen Boden verwenden mussten.
große Version anzeigen Ein alter Bauer steht mit seinem Sohn vor deren Feld.
Danielo (55) und sein Sohn Daniel (32) sind froh, dass ihr Feld bessere Erträge abwirft und dass sie die Katastrophe überstanden haben. © CBM

Danielos elfköpfige Familie ist froh, dass die Felder wieder guten Ertrag bringen

Die Beratung, das Saatgut und die Landwirtschaftstechniken, die Danielo durch Operation Compassion mit Unterstützung der Gemeinde erhalten hat, zahlten sich aus. Seine erste Ernte nach der Erdrutsch-Katastrophe im letzten Jahr war gut: Auberginen und Getreide. Andere Pflanzen, die die 191 unterstützten Familien in Banglos und Ilog gepflanzt hatten, waren Süßkartoffeln, grüne Bohnen, Kürbisse, Maniok, Getreide, Erdnüsse und Wassermelonen. Sarah und ihre Kollegin führten auch neue Vermarktungsstrategien ein. "Wir sagen den Leuten gegen die Zeit zu gehen und ihre Produkte in der Regenzeit zu verkaufen und nicht während der Trockenzeit, wenn alle mit ihrem Gemüse auf dem Markt sind."

Mit Hilfe neuer Pflanzen, Erdnüssen und anderer Gemüse und neuen Pflanz- und Düngemethoden haben sich die Menschen in Banglos an die neue Situation angepasst. Nicht nur Danielos elfköpfige Familie, auch die Ernten der anderen Familien sind trotz der schlechteren Bodenverhältnisse gut ausgefallen. Beweis dafür, dass die Dörfler mit Hilfe der Agrarwissenschaftlerinnen einen Weg gefunden hatten, um etwas weniger abhängig davon zu sein, was ihnen der Boden bietet.

Lesen Sie weiter: Hoffnung auf Zukunft wecken - Ein Sparprogramm als Start in den Wiederaufbau nach einer Katastrophe
Weitere Informationen: Spuren auf der Seele - Die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen hat Narben hinterlassen

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Weitere Informationen

Operation Compassion hat seine Arbeit im Anschluss an die Taifun-Katastrophe von 2004 aufgenommen, und wird seitdem von CBM unterstützt. Die Organisation bietet einen neuen Weg der Katastrophenreaktion, indem sie die umfassenden Nöte der Überlebenden adressiert, mit Hilfe von Sparprogrammen, den Lebensunterhalt sichernden Maßnahmen (Landwirtschaft und Geflügelhaltung), Trauma-Beratung und Beratung für Paare und Jugendliche.

Zudem sind eine gemeinschaftlich betriebene Apotheke, Schulausbildung für Kinder und medizinische Versorgung in den zwei Bezirken Banglos und Ilog aufgebaut worden. Mit Hilfe der Organisation und der Gemeinde wurden die zwei Dörfer in relativ kurzer Zeit wiederhergestellt. Immerhin war eine der Gemeinden nicht in die staatlichen Nothilfemaßnahmen einbezogen, und lagen die Dörfer drei Monate lang unter Schlamm und Baumstämmen begraben.