Die Tür zu Tonys Zimmer ist aus Eisen

Ein vergittertes Zimmer mit dunklen Wänden und einem winzigen Fenster, in das ein wenig Licht hinein fällt. Der Boden ist feucht, in der Ecke befindet sich eine schmale Holzbank.
Dies ist die Zelle, in die Tony manchmal eingesperrt wird, weil seine Schwester Angst vor seinen aggressiven Phasen hat. Der Partner von CBM versucht, die Familie zu überreden, Tony nicht mehr einzusperren und bietet Beratung und Medikamente für Tony. © CBM
Tony Balahar lebt seit seiner psychischen Erkrankung wieder bei der Familie seiner Schwester. Sie hat ein kleines gemütliches Haus mit dunkelgrünen Wänden und einem Spielzeugtelefon im Wohnzimmer.

Die Wände in Tonys Zimmer sind nicht farbig. Sie sind aus grauem Stein. Die Zimmertür ist ein robustes Eisengitter, was an ein Gefängnis erinnert. Das Fenster mit Blick auf den Hof ist klein und ebenfalls vergittert. Der Fußboden ist nass, und es riecht nach Urin. "Die Familie schließt Tony in dieser Zelle ein, wenn sie sich nicht um in kümmern kann," erläutert Bruder Roldan. Tonys Schwester Gloria (29) verkauft Fisch, und ihr Ehemann arbeitet als Fahrer eines Jeepneys, des im Personentransport auf den Philippinen üblichen Kleinbusses. Die Kinder des Ehepaars, Joshua (2 Jahre) und Cyril Mae (1 Jahr) haben Angst vor Tony, weil er manchmal aggressiv und reizbar ist. Tony ist ungehemmt und vergisst, dass andere Menschen um ihn herum sind. Ruhelos läuft er an den Wänden seines Zimmers entlang und gestikuliert, als würde er sich mit jemandem unterhalten.
Ein junger Mann, der ein grünes T-Shirt trägt, gestikuliert und lächelt in die Kamera.
Tony ist ständig in Bewegung. Manchmal hat die Familie seiner Schwester Angst vor ihm. Vor fünf Jahren arbeitete er als Automechaniker in Manila, doch als er krank wurde, kehrte er nach Albay zurück. © CBM

Früher arbeitete Tony als Automechaniker in der Hauptstadt Manila

Noch vor fünf Jahren lebte Tony in Manila, wo er als Automechaniker arbeitete. Während dieser Zeit kam er mit Suchtmitteln in Kontakt, und infolge dieses Drogenmissbrauchs entwickelte er ein paar Monate später Schizophrenie. Als er dann in die Provinz zurückkehrte, wurde er von seiner Familie eingesperrt, damit er nicht überall herumläuft. "Weggesperrt und verborgen vor den neugierigen Augen der Nachbarn – so leben hunderte von Menschen," kommentiert Bruder Roldan, der jedoch nicht leicht aufgibt. So überzeugte er die Familie in aller Ruhe davon, Tony nicht in eine Zelle zu stecken.

Bruder Roldan ist zuversichtlich, dass sich Tonys Zustand durch die antipsychotischen Medikamente bessern wird. Tony wird vom Personal des Holy Face Zentrums genau überwacht werden und seine Medizin kostenlos erhalten. Mit der richtigen Medizin und Behandlung können Besserung und Stabilisierung eintreten. Die Behandlung einer psychiatrischen Störung geschieht jedoch nicht nur an ein oder zwei Tagen - bei manchen muss sie ein Leben lang erfolgen.
Bei der Rehabilitierung von psychiatrisch Erkrankten ist die Unterstützung durch deren Familien entscheidend. Die Mutter von Joel Balahar (36), eine Großcousine von Ronaldo, sorgt sich um die Zukunft ihres Sohnes und würde alles für ihn tun.

Lesen Sie mehr über Joel Balahar und seine Mutter - "Was wird aus ihm, wenn ich sterbe?"
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