Emilio und Giovanni sind für Chancengleichheit in Iriga

Zwei Filipinos setzen sich für Menschen mit Behinderungen ein

große Version anzeigen Emilio steht neben seiner Mutter, der er den Arm auf die Schulter legt, und seiner Cousine.
Auf dem Foto sieht man Emilio (stehend neben seiner Mutter Eluminada), seine Cousine Maribel (38), ihre Kinder Dennis (20), Justin (5) und Angel (1). © CBM
Emilio Ampongan, 48, unterstützt seine Mutter Eluminada (82), seine Schwester und ihren Sohn mit Hilfe eines Schrott-und Recycling-Kleinstunternehmens. Er lebt in San Isidro, in der Nähe der Stadt Iriga, im Süden der philippinischen Provinz Camarines Sur. Emilio gibt die Hälfte seines Einkommens, das er mit der Reparatur von Regenschirmen und dem Sammeln und Verkaufen von verwertbaren Abfällen verdient, an seine Familie weiter. Sie hilft ihm dabei, Müll zu sammeln und unterstützte ihn auch beim Bau seines Hauses, das neben dem von seiner Mutter aus Bambus und Palmblättern gebaut worden ist.

Im Jahr 1993 hat Emilio Ampongan eine Werkstatt aus eigener Initiative errichtet. Er sammelt Metall und Flaschen und verkauft den Kleinstschrott an größere Recycling-Unternehmer. Für eine Flasche bekommt Emilio 10 Centavos (weniger als 1 Cent). Um die besten Schrottabfälle zu finden, steht Emilio früh auf: Um 6 Uhr 30 geht er los und sammelt in der Nachbarschaft das, was andere wertlos finden und wegwerfen – dies bis 11/11.30 Uhr. Er kennt die besten Stellen, wo er Dinge finden kann, die es wert sind, wieder verwendet oder repariert zu werden. Wenn Emilio für seine Fundstücke bezahlen muss, feilscht er um einen günstigeren Preis. Nachmittags repariert der geschickte Mann mit Hilfe seiner Fundstücke kaputte Regenschirme. Die Leute im Dorf bringen ihre alten Schirme zu Emilio, 5 bis 10 pro Woche, für 10 bis 15 Pesos (15-30 Cent) das Stück.

"Eine Behinderung ist kein Hindernis um produktiv zu sein."

Im Jahr 1987 hat Emilio seinen rechten Unterschenkel durch eine Entzündung verloren. Seitdem bewegt sich Emilio mit Krücken oder mit Hilfe eines dreirädrigen Fahrrads. Er sagt: "Eine Behinderung ist kein Hindernis um produktiv zu sein", zumindest nicht für Emilio, der andere Menschen mit Behinderungen in seiner Gemeinde ermutigt, selbst ein Recycling-Geschäft aufzumachen, und so ihr Recht auf Arbeit auf gleicher Grundlage wie andere wahrzunehmen.

Das nötige Startkapital für seine Werkstatt hat er von Verwandten und Behindertenorganisationen erhalten, die ihm 3000 Pesos (45 Euro) geliehen haben. Die CBM-Partnerorganisation Simon of Cyrene, mit Sitz in Daraga, ist nachhaltige Partnerschaften mit Darlehenskassen eingegangen, wie mit dem "Sozio-Ökonomischen Entwicklungsprogramm". Das hat Emilio und anderen geholfen, sich als Kleinstunternehmer zu betätigen und selbstständig ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Lesen Sie dazu den Bericht über Simon of Cyrene in der Broschüre "Disability in Development – Experiences in Inclusive Practices", die die CBM gemeinsam mit Handicap International erstellt hat.

Jeden Monat bezahlt Emilio 5% Zinsen für seine Raten. Er trifft sich auch mit Gleichgesinnten, die ebenfalls ein Kleinstunternehmen auf Basis von Mikrokrediten errichtet haben, und diskutiert Geschäftsprobleme und Erfahrungen, die sie mit ihren Neugründungen gemacht haben.

Emilio hofft, dass sein Unternehmen wachsen wird, dass er seiner Familie helfen und andere Mitglieder der Gemeinde motivieren kann, selbst zu Schrottsammlern zu werden. Emilios Geschäft hat sich so gut entwickelt, dass er Sub-Unternehmer beschäftigen kann, die für ihn verwertbare Materialien sammeln. Emilio selbst verkauft den Schrott an Großhändler, die Lastwagenladungen von drei Tonnen in die Hauptstadt Manila weiterverkaufen.

Die Gemeinde San Isidro begrüßt, was Emilio tut. Schließlich sammelt er Müll von den Straßen auf. Auch die Nachbarn merken, dass Emilio produktiv ist und sich einbringt, und nicht einfach zu Hause bleibt. Bevor er als Kleinstunternehmer begonnen hatte, hütete er Schweine.
große Version anzeigen Ortseingangsschild der Stadt Iriga auf den Philippinen. Auf dem Schild steht:
Das Foto zeigt das Ortseingangsschild der Stadt Iriga auf den Philippinen. Auf dem Schild steht: "Stadt Iriga - eine behindertenfreundliche Kommune mit einem gemeindenahen Rehabilitationsprogramm -für eine barrierefreie und auf den Menschenrechten basierende Gesellschaft, die Menschen mit Behinderungen einbezieht - In Zusammenarbeit mit: Simon of Cyrene Foundation Inc. und der Christoffel-Blindenmission." © CBM

Die Stadt Iriga möchte eine "Behinderten-freundliche Gemeinde" sein

San Isidro liegt in der Nähe der Stadt Iriga. Das erklärte Ziel der Stadt mit ihren 88.000 Einwohnern ist es, "eine Behinderten-freundliche Gemeinde" zu sein, wie es auf dem Ortsschild heißt.

Damit bekennt sich die Stadt öffentlich dazu, dass sie eine Strategie zur gemeindenahen Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen verfolgen will.

"Das gemeindenahe Rehabilitationsprogramm ist ein gutes Programm um den sozialen und wirtschaftlichen Status von Menschen mit Behinderungen in Iriga zu verbessern", sagt Rosa J. Bolivar, die als Assistentin und Koordinatorin für die gemeindenahe Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen im Sozialamt der Stadt arbeitet. "Früher waren Menschen mit Behinderungen zurückhaltend, was ihre Teilnahme am Leben der Stadt angeht. Aber mit dem neuen Programm hat sich dies geändert."

Die Stadtverwaltung unterhält eine "Arbeitsgruppe für Menschen mit Behinderungen", mit Untergruppen zu den Themen Lebensunterhalt, Interessenvertretung, Bildung und Rehabilitation, die von Menschen mit Behinderungen geleitet werden. Vorsitzender der Arbeitsgruppe ist die Bürgermeisterin von Iriga, Hon. Madeleine Alfelor-Gazmen. Die Arbeitsgruppe widmet sich zum Beispiel Themen wie der Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden - etwa der örtlichen Bushaltestellen oder des Sozialamtes.
große Version anzeigen Giovannie sitzt auf einem dreirädrigen Fahrrad, neben ihm die Koordinatorin für gemeindenahe Rehabilitation und eine weitere Frau.
Giovannie A. Tino (35) hat sich drei Jahre lang als Präsident des Interessenverbands der Menschen mit Behinderungen in der philippinischen Stadt Iriga für Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen eingesetzt.

Die Stadtverwaltung von Iriga setzt auf die gemeindenahe Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen: Seit sieben Jahren arbeitet die Ernährungswissenschaftlerin Rosa Jenuie Bolivar, 48, links, als Koordinatorin für gemeindenahe Rehabilitation im Sozialamt. © CBM

Giovannie setzt sich für die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen ein

Dass die Stadt Iriga die Interessen von Menschen mit Behinderungen in ihr Verwaltungshandeln einbezieht, ist auch ein Erfolg von Giovannie A. Tino (35). Drei Jahre lang war er Präsident des Interessenverbands der Menschen mit Behinderungen von Iriga. Die Behindertenorganisation hat rund 100 aktive Mitglieder in Iriga, und wendet sich an politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit, um für die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen einzutreten. Zudem bietet die Organisation Computerkurse, Orientierungskurse und Seminare zu Fragen des Lebensunterhalts an.

Jetzt ist Giovannie als Computerspezialist bei der örtlichen Regierungsstelle der Stadt Iriga angestellt, und dem Planungs- und Entwicklungsbüro zugeordnet. Als Einjähriger erkrankte Giovannie an Kinderlähmung. Doch heute benutzt er ein dreirädriges Fahrrad und glaubt daran, dass Behinderung kein Hindernis auf dem Weg zu Erfolg und persönlicher Weiterentwicklung sein muss.

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