"Kleine Löwen" in der Schule
Integrierte Grundschulbildung in Lviv, Ukraine
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- Jeden Morgen stapfen Ania und ihre Großmutter Bohuslava – oft durch hohe Schneewehen – zu Anias Schule. Die mehrfach behinderte Elfjährige besucht in Lemberg (Lviv) die einzige integrative Schule für seh- und mehrfach behinderte Kinder in der Ukraine: Das von der CBM geförderte "Zentrum kleiner Löwe". © CBM / Argum / Einberger
Die elfjährige Ania ist eigentlich ein recht schüchternes Mädchen, aber in ihrer Schule lebt sie auf. Im Winter kann der Weg dorthin schon mal zu einem kleinen Abenteuer werden. Bei Kälte, Schnee und Eis macht sie sich täglich an der Hand der Großmutter auf eine kleine Wanderung durch die Stadt in den Nachbarbezirk. Dort befindet sich das "Centre Lewenia" – auf deutsch: "Zentrum kleiner Löwe", eine Tagesschule für Kinder mit Sehbehinderung.
Ania ist nicht nur sehbehindert, sondern hört auch schlecht. Sie wohnt unter der Woche bei ihrer Großmutter, da sie von dort aus zu Fuß zur Schule gehen kann. Von der Wohnung ihrer Mutter müsste sie allein mit dem Bus fahren – und davor hat sie Angst.
Ania ist nicht nur sehbehindert, sondern hört auch schlecht. Sie wohnt unter der Woche bei ihrer Großmutter, da sie von dort aus zu Fuß zur Schule gehen kann. Von der Wohnung ihrer Mutter müsste sie allein mit dem Bus fahren – und davor hat sie Angst.
Einzigartiges Modellprojekt
Die von der CBM geförderte Tagesschule für sehbehinderte Kinder ist einzigartig in Lemberg – sogar die einzige ihrer Art in der ganzen Ukraine. Vor ihrer Gründung durch Dr. Vira Remazhewska, einer engagierten Sonderpädagogin, im Jahr 1996 existierte im Land keine Tagesschule für sehbehinderte Kinder. Diese mussten entweder eine Blindeninternatsschule besuchen, oder, falls sie eine Mehrfachbehinderung hatten, ein Heim. Das führte jedoch dazu, dass die Kinder schon mit sechs Jahren von ihren Familien getrennt wurden.
Ania fühlt sich im "Zentrum kleiner Löwe" wohl. Das war nicht von Anfang an so. Sie hat schwierigste Voraussetzungen für eine Schullaufbahn. Als sie per Kaiserschnitt zur Welt kam, gab es unerwartete Komplikationen, die u.a. eine Seh- und Hörbehinderung verursachten. Anias Entwicklung ist insgesamt verzögert. Aber sie machte bereits in der Vorschule des Zentrums große Fortschritte.
Ania fühlt sich im "Zentrum kleiner Löwe" wohl. Das war nicht von Anfang an so. Sie hat schwierigste Voraussetzungen für eine Schullaufbahn. Als sie per Kaiserschnitt zur Welt kam, gab es unerwartete Komplikationen, die u.a. eine Seh- und Hörbehinderung verursachten. Anias Entwicklung ist insgesamt verzögert. Aber sie machte bereits in der Vorschule des Zentrums große Fortschritte.
Lernen die Sehbehinderung auszugleichen
Die individuelle logopädische und physiotherapeutische Therapie hat Ania vorangebracht. Sie ist viel selbstständiger geworden und sie kann sich inzwischen koordinierter bewegen, besser konzentrieren und deutlicher ausdrücken. Heute erklärt ihr die Logopädin Halyna Domoradzka geometrische Figuren. Ania darf Dreiecke, Quadrate und Kreise in verschiedenen Farben in die Hand nehmen, betasten und ganz dicht vor die Augen halten, damit sie diese besser erkennt. So lernt sie mit zwei Sinnen und kann ihre Sehschädigung etwas ausgleichen.
Aus Blau und Gelb entsteht ein Strandbild
In der Kunsttherapiegruppe ist Ania mit dem zehnjährigen Stanislav zusammen. Nach verschiedenen Bewegungsspielen, Tänzen und Liedern malen Ania und er kreative Sonne-und-Meer-Bilder in den Farben der ukrainischen Flagge: blau und gelb. Den Kindern macht es Spaß, mit den Farben zu hantieren und sie lassen sich dabei gerne von ihren Lehrerinnen anleiten.
Die Pädagogin Oksana Kozytska zeigt Ania, wie sie den Pinsel am besten hält. Stanislav, der stark sehbehindert ist, braucht wie Ania individuelle physiotherapeutische und logopädische Betreuung. Sein Zwillingsbruder Sviatoslav besucht die Parallelklasse für normal sehende Kinder. In den Pausen, bei den Mahlzeiten und in der Spielstunde können die Brüder zusammen sein, was ihnen sehr gefällt.
Die Pädagogin Oksana Kozytska zeigt Ania, wie sie den Pinsel am besten hält. Stanislav, der stark sehbehindert ist, braucht wie Ania individuelle physiotherapeutische und logopädische Betreuung. Sein Zwillingsbruder Sviatoslav besucht die Parallelklasse für normal sehende Kinder. In den Pausen, bei den Mahlzeiten und in der Spielstunde können die Brüder zusammen sein, was ihnen sehr gefällt.
Lesen lernen mit der Lupe
Stanislav hat nur ein ganz geringes Sehvermögen. Er leidet unter einer Schädigung der Augen, die man mit einer Brille nicht ausgleichen kann. Er benötigt deshalb spezielle Lesehilfen und einen auf seine Bedürfnisse abgestimmten Schularbeitsplatz mit entsprechender Beleuchtung. Mit einer von der Christoffel-Blindenmission finanzierten Leselupe kann er Buchstaben entziffern und Bilder betrachten.
Seine Lehrerin gibt ihm die Aufgabe, bunte Perlen in einer bestimmten Reihenfolge auf eine Schnur zu fädeln. Stanislav muss sich die Perlen dicht vor die Augen halten, um ihre Farbe richtig zu erkennen. Beim Erstellen der Perlenkette wird nicht nur Stanislavs Sehsinn, sondern auch seine Feinmotorik trainiert.
Die Kinder haben tagsüber ein volles Programm. Klassenunterricht, Einzelunterricht, Physiotherapie, Toben auf dem Spielplatz, manchmal auch ärztliche Untersuchungen, dazwischen die Mahlzeiten – es wird ihnen nicht langweilig.
Mit dem umfangreichen Lernprogramm werden die Kinder, ob sie eine Behinderung haben oder nicht, auf die Zeit nach der Grundschule vorbereitet. Stanislav kann dann vielleicht eine Regelschule besuchen und Ania wird auf den Besuch einer logopädischen Sonderschule vorbereitet.
Dr. Remazhewska legte bei der Schulgründung besonderen Wert darauf, dass die seh- und mehrfach behinderten Kinder Lembergs einen Ort haben, an dem sie tagsüber lernen können, ohne dabei aus ihren Familien herausgerissen zu werden. Auch Ania ist froh, wenn sie sich nach einem langen Schultag mit ihrer Oma auf den Nachhauseweg machen kann – und Stanislav und Sviatoslav können es abends kaum erwarten, bis der Vater kommt, um sie abzuholen.
Seine Lehrerin gibt ihm die Aufgabe, bunte Perlen in einer bestimmten Reihenfolge auf eine Schnur zu fädeln. Stanislav muss sich die Perlen dicht vor die Augen halten, um ihre Farbe richtig zu erkennen. Beim Erstellen der Perlenkette wird nicht nur Stanislavs Sehsinn, sondern auch seine Feinmotorik trainiert.
Die Kinder haben tagsüber ein volles Programm. Klassenunterricht, Einzelunterricht, Physiotherapie, Toben auf dem Spielplatz, manchmal auch ärztliche Untersuchungen, dazwischen die Mahlzeiten – es wird ihnen nicht langweilig.
Mit dem umfangreichen Lernprogramm werden die Kinder, ob sie eine Behinderung haben oder nicht, auf die Zeit nach der Grundschule vorbereitet. Stanislav kann dann vielleicht eine Regelschule besuchen und Ania wird auf den Besuch einer logopädischen Sonderschule vorbereitet.
Dr. Remazhewska legte bei der Schulgründung besonderen Wert darauf, dass die seh- und mehrfach behinderten Kinder Lembergs einen Ort haben, an dem sie tagsüber lernen können, ohne dabei aus ihren Familien herausgerissen zu werden. Auch Ania ist froh, wenn sie sich nach einem langen Schultag mit ihrer Oma auf den Nachhauseweg machen kann – und Stanislav und Sviatoslav können es abends kaum erwarten, bis der Vater kommt, um sie abzuholen.














