Gesellschaftliche und persönliche Folgen

große Version anzeigen Dr. Piet van Hasselt untersucht das Ohr einer Patientin in Battambang, Kambodscha.
Dr. Piet van Hasselt untersucht Patienten in Battambang, Kambodscha. Jesuiten haben im Rahmen eines medizinischen Programms, Ohrenuntersuchungen in den Dörfern in der Nähe der Hauptstadt Pnomh Penh organisiert. In der Woche nach den Erst-Untersuchungen wurden die Patienten an den Ohren operiert. © CBM
Hörschäden gelten als die am weitesten verbreitete Behinderung – fast 600 Millionen, d.h. etwa 10 % aller Menschen weltweit, weisen leichte bis schwere Hörschäden auf. Bei 250 Millionen handelt es sich um mäßige bis gravierende Hörschäden. Zwei Drittel von ihnen leben in Entwicklungsländern.

In der Kindheit haben Hörschäden gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung des Sprach- bzw. Sprechvermögens und der kognitiven Fähigkeiten. In den Entwicklungsländern haben hörgeschädigte Kinder häufig zu keinerlei Bildung Zugang.

Tritt der Hörschaden in einer späteren Lebensphase auf, ist es für den Betroffenen schwierig, eine Arbeit zu finden bzw. zu behalten. Vielen hörgeschädigten Menschen fällt es schwer, sich an Unterhaltungen zu beteiligen, weshalb sie leicht in soziale Isolation geraten.

Die Hauptursachen für Hörschädigungen

Krankheiten, die in den Industrienationen relativ selten vorkommen, führen in den Entwicklungsländern sehr häufig zu teilweisem oder komplettem Hörverlust. Hier gibt es nur wenige Mediziner und selten Zugang zu medizinischer Versorgung. Auch ist die Bevölkerung meist unzureichend informiert.

Bis zu 6 % aller in den Entwicklungsländern lebenden Kinder unter 10 Jahren leiden an Mittelohrentzündung. Wird diese nicht rechtzeitig behandelt, kann nur noch eine Operation das Kind vor gravierendem Hörschaden bewahren.
  • Mumps, Masern, Meningitis, Hirnmalaria und andere Infektionen können bei Kindern Gehörlosigkeit verursachen.
  • Infektionen während der Schwangerschaft (z.B. Röteln, Syphilis), Komplikationen bei der Geburt sowie die Einnahme ototoxischer Medikamente bergen das Risiko eines Gehörverlusts beim Säugling.

Versorgung und Rehabilitation

Die Hälfte aller Gehörlosigkeiten und sonstigen Hörschäden ist vermeidbar. Der Schlüssel zum Schutz vor Hörschädigungsfolgen ist Bildung und Aufklärung. In erster Linie ist diese Aussage zwar auf die Ausbildung einheimischen medizinischen Personals gerichtet, ein öffentliches Bewusstsein für die Problematik fördert Früherkennung und frühzeitige Maßnahmen jedoch enorm. Aufgrund von Reihenuntersuchungen in Schulen können Ohrenerkrankungen, insbesondere Mittelohrentzüngungen, festgestellt und behandelt werden. Viele potentiell hörschädigende Infektionen lassen sich durch Impfungen verhindern: z.B. Röteln, Meningitis, Masern und Mumps.

Ist eine Hörbehinderung unausweichlich, lassen sich deren persönliche und gesellschaftliche Folgen durch Hörgeräte, Rehabilitation und Bildung lindern.

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