Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!
Mitdenken
Vielleicht lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich zu fragen: Wann habe ich zuletzt bewusst für jemanden gebetet? Oder wann habe ich etwas getan, das einen anderen Menschen neue Hoffnung gegeben hat? Solche Fragen können helfen, unseren Glauben praktischer zu machen – nicht aus Druck, sondern als Einladung.
Mitfühlen
Der Vers aus Hebräer 13 spricht eine spezielle Form des Mitdenkens an. In der Antike wurde die junge Kirche immer wieder verfolgt. Christinnen und Christen bezahlten ihre Treue zu Jesus Christus mit Gefängnis, Folter oder gar Tod. Da war es wichtig, dass die Mitchristen, die gerade nicht betroffen waren, ihre verfolgten Geschwister im Gefängnis besuchten, sie mit dem Nötigsten versorgten und die Getöteten bestatteten. Und wenn man nicht praktisch helfen konnte, wurde wenigstens im Gebet der Verfolgten gedacht.
Auch heute noch werden viele Christinnen und Christen diskriminiert, bedroht oder verhaftet. Ihrer im Gebet zu gedenken oder sich bei den verantwortlichen Regierungen für sie stark zu machen, ist bis heute eine unverzichtbare Aufgabe der christlichen Gemeinde.
Mitgehen
Der christliche Weg lädt uns ein, den Blick von uns selbst weg zu lenken. Das bedeutet nicht, sich selbst geringzuschätzen, sondern offen zu werden für das, was Gott in und durch uns wirken möchte. Vielleicht darf ich dem Monatsspruch noch eine weitere Bedeutung geben? Nicht alle Gefangenschaften sind sichtbar. Viele Menschen sind innerlich gefesselt – durch Sorgen, Erfahrungen aus der Vergangenheit, Schuld oder schwierige Beziehungen. Gott kennt diese Situationen und ich glaube, er möchte, dass sich "seine Leute" ihrer annehmen. Schon kleine Schritte können ein starkes Zeichen sein. Jede freundliche Tat, jedes Gebet, jede aufmerksame Geste hat Gewicht.
So lese ich diesen Vers auch als eine Einladung, achtsam zu leben und mitfühlend zu werden. Mögen Gebet, Barmherzigkeit und Großzügigkeit unser Miteinander prägen – ganz still, aber wirkungsvoll, zur Ehre Gottes.
Vielleicht nehmen wir uns heute einen Moment der Stille für die Menschen, die unsere Verbundenheit brauchen?
*Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart
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